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Deutschlandwetter - aktuell

ausgegeben von der Vorhersage- und Beratungszentrale in Offenbach am
Dienstag, 01.12.2020, 11:30 Uhr

 

Schlagzeile:
Meteorologischer Winteranfang in weißer Pracht
 
Deutschlandübersicht:

Offenbach, Dienstag, den 01.12.2020, 11:30 Uhr -

"Zumindest für Teile der Mitte und des Südens stimmt die Überschrift. Tief UNDINE II hat uns in der vergangenen Nacht in diesen Regionen Schneefall gebracht. In den west- und südwestdeutschen Bergen liegen 5 bis 10 Zentimeter Schnee. In den Tälern sind es unter 5 Zentimeter, selbst das Rhein-Main-Gebiet ist angezuckert. So stellen sich viele Meteorologen den Winteranfang vor.
Aber wie geht es weiter? Grob gesagt: Nach der doch länger anhaltenden Hochdruckwetterlage der vergangenen Wochen, nimmt nun erstmal Tiefdruckeinfluss das Wetterzepter in die Hand. Tief UNDINE II zieht heute von der Nordsee nach Westdeutschland. Es sorgt noch für etwas Niederschlag in Form von Regen im Norden und Westen des Landes, während im Süden bis in tiefe Lagen Schneeregen oder Schnee fallen. Im Osten hingegen gibt es kaum Niederschlag, dafür aber dichte Wolken und nur wenige Auflockerungen. Rückseitig des Tiefs strömt milde Luft von der Nordsee ein, sodass es im Nordwesten bis zu 8 Grad warm wird. Auf der Vorderseite des Tiefs, also im Südosten Deutschlands, bleibt die kalte Luft wetterbestimmend. Dort werden maximal -1 bis +2 Grad erreicht.
In der kommenden Nacht verabschiedet sich UNDINE II nach Ostfrankreich und löst sich so langsam auf. Reste der feuchten Luft bleiben aber im Südwesten liegen, wodurch es besonders dort aus dichten Wolken weiterhin etwas Niederschlag geben wird, im Westen in Form von Sprühregen und im Süden teils als geringfügiger Schnee.
Am Mittwoch liegt Deutschland zwischen den Fronten. Das Sturmtief VIRPY bei Island liegt mit seinem Frontensystem noch über dem Ärmelkanal und hat keinen Einfluss auf Deutschland. Tief UNDINE II ist ebenfalls abgezogen, sodass sich Hochdruckeinfluss vom umfangreichen und kräftigen Hoch über Russland bis nach Ostdeutschland ausdehnen kann. So wird es am morgigen Mittwoch in der Westhälfte dichte Wolken geben, aber - von wenigen Orten mit Sprühregen abgesehen - meist trocken bleiben. Von Osten her lockert es hingegen mehr und mehr auf und vor allem in Sachsen wird die Sonne häufig zum Zuge kommen. Von Nordwest nach Südost bleibt mit +6 bis -1 Grad als Höchstwerte ein Temperaturgefälle bestehen.
In der Nacht zum Donnerstag schafft es der Ausläufer des Tiefs VIRPY auf Deutschland überzugreifen, jedoch bleibt vom Niederschlag nicht mehr viel übrig. Dies äußert sich im Nordwesten in Form von leichtem Regen oder Sprühregen. Vor der Front kann es aber aus einer dichten Hochnebeldecke etwas Schneegriesel, in den mittleren Landesteilen auch geringfügigen Sprühregen geben, der am Boden mitunter gefriert. Dann besteht Glättegefahr! Am Donnerstag selbst kommt der Ausläufer weiter landeinwärts voran, schwächt sich aber ab. So bleibt es im Osten und Südosten bei aufgelockerter Bewölkung meist trocken, während es im Nordwesten etwas regnet. Die Temperaturen sind weiterhin zweigeteilt: Im Nordwesten ist es mit 3 bis 6 Grad milder als im Südosten bei Werten um den Gefrierpunkt.
Ende der Woche (Fr-So) bleibt Deutschland unter dem Einfluss von tiefem Luftdruck mit etwas Niederschlag und bei Temperaturen im einstelligen positiven Bereich. Durch Föhnsturm in den Alpen am Freitag wird die kalte Luft auch im Alpenvorland ausgeräumt. Auch dort werden dann im Vergleich zu den Vortagen deutlich mildere 6 bis 9 Grad erreicht. "

Das erklärt Dipl.-Met. Julia Fruntke von der Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach zum Wetter der kommenden Tage.
Hinweis:

Die aktuellen Wetter- und Unwetterwarnungen finden Sie unter:
www.wettergefahren.de

Aktuelle Wetter- und Klimainformationen finden Sie unter:
www.dwd.de

Die Vorhersage- und Beratungszentrale des DWD ist rund um die Uhr
telefonisch erreichbar unter Tel.: 069/8062-3333

 

Deutschlandvorhersage:

für Dienstag, 01.Dezember 2020
Heute Mittag stark bewölkt bis bedeckt, allenfalls im äußersten Osten und Südosten wenige Auflockerungen, dort auch meist trocken. Sonst verbreitet Niederschläge, im Norden und Westen Regen, im Süden teils bis in tiefe Lagen Schnee, vorübergehend auch gefrierender Regen. Erhöhte Glättegefahr! Im Tagesverlauf ganz allmählich nachlassender Niederschlag. Höchstwerte -1 bis +5, von Schleswig-Holstein bis zur Kölner Bucht +5 bis +9 Grad. Meist schwacher Wind im Westen aus Nord, im Osten um Süd.
In der Nacht zum Mittwoch in der Osthälfte und im Südosten gebietsweise aufgelockert, sonst meist stark bewölkt bis bedeckt. Im Westen gebietsweise etwas Regen oder Nieselregen, im Süden örtlich noch etwas Schnee oder Schneegriesel und Glätte. Streckenweise Nebel. Tiefstwerte +5 bis -1, im Osten und Süden sowie im Bergland 0 bis -6 Grad.
für Mittwoch, 02.Dezember 2020
Am Mittwoch im Osten und Südosten wolkig oder gering bewölkt und teils länger sonnig. Weiter nach Westen teils aufgelockert bewölkt, teils hochnebelartig bedeckt. Bevorzugt dort gebietsweise auch etwas Nieselregen, im Bergland auch Schneegriesel. Temperaturmaxima im Norden und Westen 3 bis 7, im Süden und Osten sowie im höheren Bergland -1 bis 4 Grad. Meist schwacher Wind aus Süd bis Ost.
In der Nacht zum Donnerstag im Osten und Südosten gering bewölkt, teils klar, niederschlagsfrei. Sonst neblig-trüb oder hochnebelartig bedeckt mit Schneegriesel oder Sprühregen, teils gefrierend mit Glatteisgefahr. Im Nordwesten am Morgen aufkommender leichter Regen. Abkühlung von Schleswig-Holstein bis NRW auf 4 bis 0, sonst +2 bis -6 Grad, am kältesten dabei im Osten und an den Alpen. An der Nordsee teils böig auffrischender Südwestwind.
für Donnerstag, 03.Dezember 2020
Am Donnerstag in der Westhälfte dichtere Wolkenfelder mit etwas Regen oder Sprühregen. Im Osten, Südosten und Teilen der Mitte teils aufgelockert bewölkt, teils neblig-trüb mit örtlichem Sprühregen oder Schneegriesel. Temperaturmaxima zwischen 0 und 4 Grad, im Nordwesten und Westen 3 bis 7 Grad, im Südosten Deutschlands im höheren Bergland sowie in einigen Tallagen leichter Dauerfrost. Schwacher, im Norden und Westen auch mäßiger und stark böiger Wind um Süd, an der Nordsee mit einzelnen steifen Böen.
In der Nacht zum Freitag von der Nordsee bis zum Hochrhein dicht bewölkt, gebietsweise etwas Regen, im Bergland Schnee, lokal auch gefrierender Regen mit Glätte. Sonst teils wolkig, teils gering bewölkt oder klar, im Oderumfeld etwas Schnee. Im Südosten gebiestweise Nebel. Temperaturminima im Nordwesten und Westen 4 bis -1 Grad, sonst 1 bis -7 Grad, mit den tiefsten Werten im östlichen Bergland und an den Alpen.
für Freitag, 04.Dezember 2020
Am Freitag meist stark bewölkt bis bedeckt oder neblig trüb. Lediglich im Osten sowie an den Alpen teilweise aufgelockert bewölkt. Im Westen und Südwesten gebietsweise etwas Regen, in höheren Lagen Baden-Württembergs auch Schnee. Höchstwerte auf relativ kurzer Distanz recht unterschiedlich mit -1 Grad bei beständigem Nebel im Südosten und +8 Grad im Westen bzw. bei Föhn an den Alpen. Über der Deutschen Bucht Sturmböen aus Südost, sonst mäßiger, im Westen zeitweise böig auffrischender Wind aus Südost. In den Alpen Föhnsturm.
In der Nacht zum Samstag in der Mitte und im Süden vielerorts regnerisch, im Bergland zunehmend Schnee. Sonst oft neblig trüb, gebietsweise aber auch aufgelockert bewölkt und meist trocken. Tiefstwerte +3 bis -4 Grad.
 

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst

 

 

 

10-Tage-Deutschlandvorhersage

01-12-2020 12:50


VHDL17 DWOG 011200
Deutscher Wetterdienst
10-Tage-Vorhersage für Deutschland
von Freitag, 04.12.2020 bis Freitag, 11.12.2020
ausgegeben von der Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
am Dienstag, 01.12.2020, 13:46 Uhr

Unbeständiger, anfangs teils windiger frühwinterlicher
Wettercharakter mit Schnee, Schneeregen und Regen, teils gefrierend.



Vorhersage für Deutschland bis Dienstag, 08.12.2020,
Am Freitag meist stark bewölkt bis bedeckt oder neblig trüb.
Lediglich im Osten sowie an den Alpen teilweise aufgelockert bewölkt.
Im Westen und Südwesten gebietsweise etwas Regen, in höheren Lagen
Baden-Württembergs auch Schnee. Höchstwerte auf relativ kurzer
Distanz recht unterschiedlich mit -1 Grad bei beständigem Nebel im
Südosten und +8 Grad im Westen bzw. bei Föhn an den Alpen. Über der
Deutschen Bucht Sturmböen aus Südost, sonst mäßiger, im Westen
zeitweise böig auffrischender Wind aus Südost. In den Alpen
Föhnsturm.
In der Nacht zum Samstag in der Mitte und im Süden vielerorts
regnerisch, im Bergland zunehmend Schnee. Sonst oft neblig trüb,
gebietsweise aber auch aufgelockert bewölkt und meist trocken.
Tiefstwerte +3 bis -4 Grad.

Am Samstag im Nordwesten, Osten und äußersten Südosten teils
aufgelockert bewölkt und weitgehend trocken, sonst überwiegend dichte
Bewölkung und in einem Streifen von den Alpen bis in den Norden
Regen, im Süden sowie dem höheren Bergland Schnee, in exponierten
Senken auch gefrierender Regen mit Glätte. Höchstwerte 0 bis 7 Grad,
im Bergland Süddeutschlands leichter Dauerfrost. Meist schwacher um
Süd, in Ostsachsen Böhmischer Wind mit steifen Böen.
In der Nacht zum Sonntag von den Alpen bis nach Schleswig-Holstein
und Mecklenburg-Vorpommern aus dichten Wolken weitere Niederschläge,
teils Schnee, teils Regen oder gefrierender Regen. Im Westen und
Nordwesten Wolkenauflockerungen und meist niederschlagsfrei,
gebietsweise Nebel. Tiefstwerte 1 bis -5 Grad, im Osten und an der
See 4 bis 0 Grad. Örtlich Glätte.

Am Sonntag überwiegend dicht bewölkt. Allenfalls im Osten und
äußersten Westen auch mal Auflockerungen. Im Osten meist trocken,
sonst unbeständig mit Schnee, Schneeregen, Regen, teils gefrierend.
Temperaturmaxima zwischen 0 und 5 Grad, im Osten und an der See bis 8
Grad, im höheren Bergland Süddeutschlands Dauerfrost. Meist schwacher
bis mäßiger Wind aus unterschiedlichen Richtungen. Auf den
Alpengipfeln Föhnsturm.
In der Nacht zum Montag teils wolkig, teils stark bewölkt. Im Osten
und Norden Regen oder Schnee, im Westen und Nordwesten Schauer, sonst
meist niederschlagsfrei. Temperaturminima im Norden und Osten 4 bis
-1 Grad, sonst 0 bis -5 Grad, mit den tiefsten Werten an den Alpen.
Örtlich Glätte.

Am Montag und Dienstag wechselnd, im Nordosten auch stärker bewölkt.
Dort anfangs noch etwas Regen, sonst zunehmend trocken. Nachts
gebietsweise Nebel. Temperaturhöchstwerte 0 bis 7 Grad, im höheren
Bergland Süddeutschlands Dauerfrost. Nachts Abkühlung auf 4 Grad an
der Ostsee und bis -7 Grad an den Alpen. Schwacher bis mäßiger, an
der See und im Bergland auch stark böiger Wind zunächst aus Südwest
bis Südost, auf Süd bis Ost drehend. Auf den Alpengipfeln Sturmböen.



Trendprognose für Deutschland, von Mittwoch, 09.12.2020 bis Freitag,
11.12.2020,
Bei wechselnder, teils auch starker Bewölkung Fortdauer der leicht
unbeständigen Witterungsbedingungen. Höchstwerte -1 bis 7 Grad,
nachts Minima zwischen 2 und -7 Grad, an der See milder. Schwacher
bis mäßiger, an der See auch stark böiger Wind aus Süd bis Ost. Auf
Alpengipfeln teils Sturmböen.

Deutscher Wetterdienst, VBZ Offenbach / Dipl.-Met. Lars Kirchhübel

 

 

Thema des Tages

01-12-2020 11:50

Meteorologischer Winteranfang mit weißer Pracht und Glatteisgefahr


Der diesjährige meteorologische Winteranfang hat zumindest in der
Mitte und im Süden Deutschlands einiges zu bieten. Eine spannende
Lage für uns Meteorologen, die aber im Detail schwer vorherzusagen
war.

Heute bekommen Sie einen kleinen Einblick in unsere Arbeit und das
sogenannte Nowcasting, also die detaillierte Erfassung der
augenblicklichen Wettersituation und die daraus abgeleitete möglichst
exakte Wettervorhersage für die nächsten zwei Stunden. Zudem erfahren
Sie, warum an einigen Orten manchmal mehrere Warnungen mit
unterschiedlichen Wetterereignissen bestehen.

Das kleinräumige Tief UNDINE II erreichte mit seiner Warmfront am
gestrigen Montagabend den Nordwesten Deutschlands. Wer im Nordwesten
und Westen einen Fuß vor die Tür setzte, wird es mitbekommen haben,
dass es zunächst zu regnen begann. Im Nordwesten blieb es auch
vielerorts bei der flüssigen Niederschlagsphase. Je weiter der
Niederschlag aber nach Süden und Südosten vorankam, desto kritischer
wurde die Lage. Auch für uns Meteorologen war es schwierig, nur
anhand der Wettermeldungen und des Radarbildes die genaue
Niederschlagsart bei Ihnen vor Ort einzuschätzen. Nach der
Interpretation aller Vorhersageprodukte war uns klar: Der
überwiegende Teil des Niederschlags wird zwar als Schnee fallen bzw.
von Regen in Schnee übergehen. Aber es wird Regionen in Deutschland
geben, in denen es zu gefrierendem Regen kommt.

Wie war nun also unser Vorgehen?

Als der Niederschlag einsetzte, warfen wir einen Blick auf die
Lufttemperatur in zwei Meter Höhe, die knapp über 0 Grad lag. Auch in
fünf Zentimeter Höhe bzw. direkt über dem Boden wurden ähnliche Werte
gemessen. Eine undankbare Lage, denn bei diesen Temperaturen kann es
an der einen Stelle bei positiven Temperaturwerten regnen und alles
ist unkritisch, an der anderen Stelle aber bei leicht negativen
Werten gefrierenden Regen mit erheblicher Glättegefahr geben. Die
dringenden Fragen waren also: Fällt der Niederschlag als Regen oder
als Schnee? Wenn Regen fällt, wo ist der Boden so kalt, dass der
Niederschlag zu Glatteis führt? Wann geht der Regen in Schnee über,
sodass sich die Glatteissituation allmählich wieder entspannt?

Die Vorhersagedaten im Vorfeld lieferten uns schon den Hinweis auf
eine sogenannte "warme Nase" in den unteren Troposphärenschichten,
also eine Schicht mit Temperaturen über null Grad, während es am
Boden und in höher gelegenen Schichten kälter war. Dies ist immer ein
Signal, dass es unter Umständen gefrierenden Regen geben kann (siehe
hierzu das Thema des Tages vom 30.11.2020: https://t1p.de/1v1n). Ein
Blick auf die um 19 Uhr eintrudelnden Radiosondenaufstiege (siehe
Thema des Tages vom 03.07.2020: https://t1p.de/3izk) aus Essen und
Idar-Oberstein verriet uns, dass es tatsächlich eine "warme Nase" in
den unteren 1500 Metern in der Atmosphäre gab. Diese war sogar etwas
ausgeprägter als in den Vorhersagen. Jedoch führt nicht jede "warme
Nase" automatisch zu gefrierendem Regen. Es müssen etliche Zutaten
zusammenpassen, die in aller Kürze folgendermaßen aussehen: Zum einen
muss die Atmosphäre genug Feuchtigkeit aufweisen (gesättigt sein),
damit überhaupt Niederschlag zustande kommt. Zum anderen muss die
warme Temperaturschicht groß genug sein, um Eisteilchen aus höheren
Atmosphärenschichten zum Schmelzen zu bringen. Und zu guter Letzt
müssen die Temperaturen am Boden unter null Grad liegen, sonst würde
der Regen nicht gefrieren.

An den Radiosondenaufstieg von Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) von
gestern Abend und um Mitternacht kann die Situation sehr schön
erklärt werden: Um 18 UTC gingen in der mittleren Atmosphäre - in
etwa drei bis sechs Kilometer Höhe - die Temperaturkurve
(durchgezogene Linie) und die Taupunktkurve (gestrichelte Linie)
stark auseinander. Das heißt, dass in diesen Schichten sehr wenig
Feuchtigkeit vorhanden und die Atmosphäre in dieser Höhe relativ
trocken war. Schaut man etwas tiefer, ist zum einen die Inversion bei
etwa 1500 Meter erkennbar, zum anderen, dass Temperatur- und
Taupunktkurve sich unterhalb von 3 Kilometern stark annähern, die
Atmosphäre dort also feucht war. Am Boden herrschten Temperaturen
unterhalb des Gefrierpunkts. Eine erhöhte Vorsicht war also geboten,
denn eventueller Niederschlag konnte dort gefrieren! Bringt aber eine
Atmosphäre, die oberhalb von 3 Kilometern trocken ist, überhaupt
Niederschlag? Ja! Unterhalb von 3 Kilometern war es feucht genug und
dieser Sprühregen reichte aus, um am Boden für eine Glatteisschicht
zu sorgen. Zudem näherte sich die Front, wodurch sich der
Niederschlag verstärkte.

Um 0 UTC hatte das Niederschlagsgebiet Idar-Oberstein schon
größtenteils überquert. Der dortige Radiosondenaufstieg zeigte
dementsprechend ein anderes Bild: Zwischen drei und sechs Kilometer
war die Atmosphäre nun gesättigt, dort waren also auch viele
Eispartikel vorhanden. Die "warme Nase" war nicht mehr ganz so
ausgeprägt, dennoch existent. Aber die Temperatur am Boden lag
weiterhin unterhalb des Gefrierpunkts. Alles in Allem waren also die
Bedingungen für gefrierenden Regen weiterhin erfüllt.

Dies spiegelte sich in den offiziellen Wettermeldungen an unseren
Wetterstationen wider, aber auch in unserer WarnWetterApp liefen
hunderte Meldungen über gefrierenden Regen in dieser Region ein. Die
Lage war dort relativ eindeutig. Nun war die Frage, ob der
Niederschlag dort auch noch in Schnee übergehen würde? In anderen
Regionen (zum Beispiel von NRW bis nach Unterfranken (BY) und in den
Nordwesten Baden-Württembergs hinein) sah es etwas unklarer aus. Laut
der Wettermeldungen begann auch dort das Ereignis verbreitet mit
Regen. Aber durch die Verdunstungsabkühlung (siehe DWD-Lexikon:
https://t1p.de/bvxo) sank die Temperatur in der unteren Troposphäre,
sodass geschmolzene Eispartikel und Schneeflocken durch eine kältere
Schicht fielen und dann als Eiskörner niedergingen. Im weiteren
Verlauf des Abends mischten sich mehr und mehr Schneeflocken unter
den Niederschlag, weil die "warme Nase" mehr und mehr abgebaut wurde
und Eispartikel sowie Schneeflocken aus den höher gelegenen Schichten
nicht mehr schmelzen konnten.

Für uns Meteorologen war es ein sehr spannendes Ereignis. Im Umkreis
von 50 Kilometer um den Standort Offenbach meldeten wir uns
gegenseitig die Niederschlagsphasen zu. Zwischen 20 Uhr und
Mitternacht wechselte die Niederschlagsart zwischen Regen, Eiskörnern
und Schnee hin und her. Zum Teil waren alle Arten gleichzeitig
vertreten. Auch dies gaben die Wettermeldungen unserer Nutzer der
WarnWetterApp wieder. Wenn man sich die App-Meldungen von gestern
Abend betrachtete und zwischen den einzelnen Meldeparametern
wechselte, stellte man fest, dass Regen, gefrierender Regen und
Schneefall von NRW, Rheinland-Pfalz und Saarland über Hessen bis in
den Nordwesten von Bayern und Baden-Württemberg gleichzeitig gemeldet
wurden.

Und hier erkennt man die Krux des Ganzen! Warum bekomme ich als
Nutzer in der WarnWetterApp eine Schneefallwarnung mit großem
zeitlichen Vorlauf und kurz vor dem Beginn dieser Warnung noch eine
Warnung vor Glatteis durch gefrierenden Regen? Ich hoffe, Sie können
sich nach Lesen dieses Beitrags diese Frage nun selber beantworten.
;)

In diesem Sinne: Genießen Sie den Schnee, sofern Sie ihn genießen
können und wollen!


Dipl.-Met. Julia Fruntke
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Vorhersage- und Beratungszentrale
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